Schriften der Hans Ehrenberg Gesellschaft Band 15

Mirjam Kübler

JUDAS ISKARIOT -
Das abendländische Judasbild und seine antisemitische Instrumentalisierung im Nationalsozialismus

Bis heute ist Judas in der abendländischen Kultur ein Begriff, der vor allem negative Assoziationen weckt (Verrat, Geldgier, Skrupellosigkeit), zu allen Zeiten aber auch Interesse auf sich gezogen und Spekulationen provoziert hat. Die phonetische Ähnlichkeit zwischen dem Namen des Christusjüngers und dem Ethnonym JUDE legt daher die Erwartung einer antisemitischen Instrumentalisierung der Judasgestalt durch die Nationalsozialisten denkbar nahe; und tatsächlich lassen sich in den Propagandatexten beide Richtungen nachweisen: Besonders das antisemitische Wochenblatt DER STÜRMER diffamiert einerseits die Juden rassisch so, dass jeder von Ihnen zu einem JUDAS wird und stylt die Figur des Judas Iskariot andererseits durch rassisch- diffamierende Attribute so zurecht, dass er der Prototyp eines jeden Juden werden kann. Bislang hat diese Facette der antisemitischen Demagogie in der Wissenschaft erstaunlich wenig Beachtung gefunden, obwohl sie das Feindbild vom geldgierigen, skrupellosen Juden spätestens seit dem Mittelalter genährt und begleitet hat.

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Kapitel: Die 'Vorgeschichte' - Vom Neuen Testament bis zu den Anfängen des modernen Antisemitismus
A. Zur Judasgestalt des Neuen Testaments
B. Die Wirkungsgeschichte des neutestamentlichen Judasbildes in ausgewählten Epochen

2. Kapitel: Die Instrumentalisierung des Judas im Nationalsozialismus
A. Von den Juden zu Judas - der Einbezug des 'Verräterjüngers' in klassische Topoi des Antijudaismus / Blutmystik, Sexualität und 'Rassenschande'
B. 'Die Juden' als 'Teufel' - der antimesitische Satanisierungsprozess
C. Von Judas zu den Juden - Klassische Attribute des Judas in der antisemitischen Propaganda

Epilog

 

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