Wolfgang Belitz / Günter Brakelmann / Norbert Friedrich
Die Weimarer Republik war für die evangelischen Landeskirchen und für
die Protestanten im Deutschen Reich eine Zeit des Umbruchs. Aus den revolutionären
Umbrüchen der Jahre 1918/19 war eine parlamentarische Demokratie hervorgegangen,
ein freiheitlicher Rechts- und Wohlfahrtsstaat und ein säkulares Staatswesen,
welches den Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat in der Verfassung verankert
hatte.
Theologisch und kirchenpolitisch waren die Jahre zwischen dem Ende des Kaiserreichs
und dem Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ein Experimentierfeld
neuer (und alter) theologischer Ideen, eine Entwicklung, die sich sehr genau
am Beispiel einzelner Provinzialkirchen zeigen lässt.
Nachdem 1998 in einem ersten Band
an die kirchliche soziale Arbeit in Westfalen erinnert wurde, erweitert dieser
Band nun die Forschungsperspektive. Neben der Synode der Provinzialkirche stehen
die Bereiche Volksmission, Studentenseelsorge, Bildungsarbeit, Fabrikseelsorge,
das Betheler Diakoniejubiläum 1931 und der Sozialethiker Hans Ehrenberg
im Mittelpunkt.
Es sind wiederum Beispiele, die die Vielfalt und das Engagement des sozialen
Protestantismus in Westfalen belegen können. Sie sind Bausteine einer manchmal
unübersichtlichen, selten gemeinsam agierenden, aber immer den Menschen
und Christen in den Blick nehmenden Bewegung. Es sind Ideen die mit zur Katastrophe
von 1933-1945 beigetragen haben oder die sich dieser mutig entgegenzustellen
versuchten.
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