Hans-Ehrenberg-Preis 2002

Die Preisträger

Bochum (epd). Mitunter passt zwischen den Katholiken Karl Lehmann und den Protestanten Manfred Kock kein Blatt, wie es der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) einmal formulierte. Im Rahmen des Möglichen bemühen sich die obersten Repräsentanten der beiden deutschen Volkskirchen darum, in wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen mit einer Stimme zu sprechen.

Dafür und besonders für ihre Verdienste um das gemeinsame Sozialwort der Kirchen, dessen Veröffentlichung sich am Freitag zum fünften Mal jährt, erhalten Kock und Lehmann in diesem Jahr in Bochum den Hans-Ehrenberg-Preis. Ihr Einsatz für die Zusammenarbeit der Kirchen erfolgt einerseits in schwierigen Zeiten. So hat das Vatikan-Dokument "Dominus Iesus" vom September 2000 mit seiner Abwertung protestantischer Kirchen Wunden geschlagen.

Als eine Reaktion kündigte die evangelische Kirche an, in ökumenischen Gottesdiensten wieder stärker die Luther-Übersetzung als "prägendes Merkmal evangelischer Frömmigkeit" zu verwenden. Hoffnungen auf eine weitere Annäherung der Kirchen nähren dagegen der Ökumenische Kirchentag 2003 in Berlin und das ebenfalls für 2003 geplante Jahr mit der Bibel.

Der 65-jährige Kock ist seit viereinhalb Jahren EKD-Ratsvorsitzender und damit höchster Repräsentant der rund 27 Millionen deutschen Protestanten. Diese Funktion übt er noch bis Herbst 2003 aus. Sein Amt als rheinischer Präses will er im Frühjahr kommenden Jahres vorzeitig abgeben, um sich zum Schluss ganz auf die EKD-Aufgaben konzentrieren zu können.

Der gebürtige Westfale setzt sich intensiv für die Zusammenarbeit mit den Katholiken und den christlich-jüdischen Dialog ein. Klare Stellung bezog er stets für eine menschenwürdige Gesellschaft, gegen Massenarbeitslosigkeit und für den Lebensschutz. Als Ratsvorsitzender engagiert er sich auch für eine Stärkung der evangelischen Publizistik.

In Köln war Kock ab 1970 Jugendpfarrer und übernahm 1988 die Leitung des Stadtkirchenverbandes, bevor er 1997 Nachfolge des verstorbenen rheinischen Präses Peter Beier antrat. Bekannt wurde er in Köln vor allem mit ungewöhnlichen Werbekampagnen, mit denen er die Kirche stärker in die Öffentlichkeit bringen wollte.

Der wenige Monate ältere Lehmann ist seit 1987 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, vier Jahre zuvor war er zum Bischof von Mainz geweiht worden. Im vergangenen Jahr erhob ihn Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand. Das Bemühen um die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist ein Schwerpunkt seines bisherigen Lebenswerks.

So ist er seit 1969 Mitglied in mehreren ökumenischen Gesprächskreisen von evangelischen und katholischen Theologen. In der katholischen Kirche gilt er als Vermittler zwischen konservativen und reformerischen Strömungen. Neben verschiedenen Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden erhielt er im Jahr 2000 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

epd-West igl


Übersicht

Presseerklärung 2002/1: Erstmals gemeinsame Auszeichnung für oberste Vertreter beider Volkskirchen
Presseerklärung 2002/2: Das Aktuelle Stichwort: Hans-Ehrenberg-Preis



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