Kock und Lehmann erhalten Hans-Ehrenberg-Preis -
Erstmals gemeinsame Auszeichnung für oberste Vertreter beider Volkskirchen
Bochum/Düsseldorf (epd). Die obersten Repräsentanten der beiden deutschen
Volkskirchen werden erstmals gemeinsam ausgezeichnet: Der Ratsvorsitzende der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, und der Vorsitzende
der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, erhalten
in diesem Jahr den protestantischen Hans-Ehrenberg-Preis, wie der epd bei der
Hans-Ehrenberg-Gesellschaft erfuhr. Damit werde ihr Einsatz für die Zusammenarbeit
von Protestanten und Katholiken und besonders ihr Bemühen um das gemeinsame
Sozialwort der Kirchen gewürdigt, das am Donnerstag fünf Jahre alt wird.
Der mit 10.000 Euro (19.558 Mark) dotierte Preis soll am 20. November, dem Buß-
und Bettag, in der Bochumer Christuskirche verliehen werden. Die Auszeichnung
trägt den Namen des judenchristlichen Bochumer Pfarrers und Philosophen Hans
Ehrenberg (1883 - 1958), der zum kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus
gehörte. Der Preis wird alle zwei Jahre von der 1993 gegründeten Hans-Ehrenberg-Gesellschaft
und dem Kirchenkreis Bochum verliehen. Erster Preisträger war im Jahr 2000 der
evangelische Sozialethiker und Theologe Günter Brakelmann.
Kock und Lehmann hätten das nach wie vor bedeutsame und aktuelle Sozialwort
immer wieder "in die Öffentlichkeit gebracht", sagte das Vorstandsmitglied der
Ehrenberg-Gesellschaft, der Bochumer Theologie-Professor Traugott Jähnichen,
dem epd. Sie erhalten den Preis nach den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden
Matthias Schreiber zudem für ihre "Kirchen verbindende interkonfessionelle Arbeit,
die auch den Blick für die weltweite Ökumene nicht verloren" habe und das Bewusstsein
für die Kirchen in der Zweidrittel-Welt wach halte.
Den beiden 65-jährigen Preisträgern, die ein unverkrampftes Verhältnis zueinander
hätten, gelinge es, "Grenzen zu überwinden und Toleranz zu leben", sagte Pfarrer
Schreiber, Publizistik-Dezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie
hätten in vielen aktuellen Fragen an einem Strang gezogen, etwa in ihren Stellungnahmen
zur Gentechnik. "In schwieriger Zeit haben sich Kock und Lehmann bemüht, zunehmend
mit einer Stimme zu sprechen, und sich von den Problemen nicht entmutigen lassen."
Jähnichen betonte, dem Namensgeber des Preises, Hans Ehrenberg, sei die Ökumene
ein Grundanliegen gewesen, dies passe zur Auszeichnung des Katholiken Lehmann.
Grundsätzlich solle aber die protestantische Profilierung der Auszeichnung beibehalten
werden. Geehrt werden demnach Persönlichkeiten, die dezidiert protestantische
Positionen in die öffentliche Auseinandersetzung einbringen.
Kock ist seit viereinhalb Jahren der höchste Repräsentant der rund 27 Millionen
deutschen Protestanten, er ist bis Herbst 2003 gewählt. Sein Amt als rheinischer
Präses will er im Frühjahr kommenden Jahres vorzeitig abgeben. Der gebürtige
Westfale setzt sich intensiv für die Zusammenarbeit mit den Katholiken und den
christlich-jüdischen Dialog ein. Klare Stellung bezog er stets für eine menschenwürdige
Gesellschaft, gegen Massenarbeitslosigkeit und für den Lebensschutz.
Lehmann wurde 1983 zum Bischof von Mainz geweiht, seit 1987 ist er Vorsitzender
der Deutschen Bischofskonferenz und im vergangenen Jahr wurde er in den Kardinalsstand
erhoben. Das Bemühen um die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist ein Schwerpunkt
seines bisherigen Lebenswerks. In der katholischen Kirche gilt er als Vermittler
zwischen konservativen und reformerischen Strömungen.
epd-West igl
Presseerklärung
2002/2: Das Aktuelle Stichwort: Hans-Ehrenberg-Preis
Presseerklärung
2002/3: Die Preisträger
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