Hans-Ehrenberg-Preis Presseerklärung 2002

Kock und Lehmann erhalten Hans-Ehrenberg-Preis -
Erstmals gemeinsame Auszeichnung für oberste Vertreter beider Volkskirchen


Bochum/Düsseldorf (epd). Die obersten Repräsentanten der beiden deutschen Volkskirchen werden erstmals gemeinsam ausgezeichnet: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, erhalten in diesem Jahr den protestantischen Hans-Ehrenberg-Preis, wie der epd bei der Hans-Ehrenberg-Gesellschaft erfuhr. Damit werde ihr Einsatz für die Zusammenarbeit von Protestanten und Katholiken und besonders ihr Bemühen um das gemeinsame Sozialwort der Kirchen gewürdigt, das am Donnerstag fünf Jahre alt wird.

Der mit 10.000 Euro (19.558 Mark) dotierte Preis soll am 20. November, dem Buß- und Bettag, in der Bochumer Christuskirche verliehen werden. Die Auszeichnung trägt den Namen des judenchristlichen Bochumer Pfarrers und Philosophen Hans Ehrenberg (1883 - 1958), der zum kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehörte. Der Preis wird alle zwei Jahre von der 1993 gegründeten Hans-Ehrenberg-Gesellschaft und dem Kirchenkreis Bochum verliehen. Erster Preisträger war im Jahr 2000 der evangelische Sozialethiker und Theologe Günter Brakelmann.

Kock und Lehmann hätten das nach wie vor bedeutsame und aktuelle Sozialwort immer wieder "in die Öffentlichkeit gebracht", sagte das Vorstandsmitglied der Ehrenberg-Gesellschaft, der Bochumer Theologie-Professor Traugott Jähnichen, dem epd. Sie erhalten den Preis nach den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden Matthias Schreiber zudem für ihre "Kirchen verbindende interkonfessionelle Arbeit, die auch den Blick für die weltweite Ökumene nicht verloren" habe und das Bewusstsein für die Kirchen in der Zweidrittel-Welt wach halte.

Den beiden 65-jährigen Preisträgern, die ein unverkrampftes Verhältnis zueinander hätten, gelinge es, "Grenzen zu überwinden und Toleranz zu leben", sagte Pfarrer Schreiber, Publizistik-Dezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie hätten in vielen aktuellen Fragen an einem Strang gezogen, etwa in ihren Stellungnahmen zur Gentechnik. "In schwieriger Zeit haben sich Kock und Lehmann bemüht, zunehmend mit einer Stimme zu sprechen, und sich von den Problemen nicht entmutigen lassen."

Jähnichen betonte, dem Namensgeber des Preises, Hans Ehrenberg, sei die Ökumene ein Grundanliegen gewesen, dies passe zur Auszeichnung des Katholiken Lehmann. Grundsätzlich solle aber die protestantische Profilierung der Auszeichnung beibehalten werden. Geehrt werden demnach Persönlichkeiten, die dezidiert protestantische Positionen in die öffentliche Auseinandersetzung einbringen.

Kock ist seit viereinhalb Jahren der höchste Repräsentant der rund 27 Millionen deutschen Protestanten, er ist bis Herbst 2003 gewählt. Sein Amt als rheinischer Präses will er im Frühjahr kommenden Jahres vorzeitig abgeben. Der gebürtige Westfale setzt sich intensiv für die Zusammenarbeit mit den Katholiken und den christlich-jüdischen Dialog ein. Klare Stellung bezog er stets für eine menschenwürdige Gesellschaft, gegen Massenarbeitslosigkeit und für den Lebensschutz.

Lehmann wurde 1983 zum Bischof von Mainz geweiht, seit 1987 ist er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und im vergangenen Jahr wurde er in den Kardinalsstand erhoben. Das Bemühen um die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen ist ein Schwerpunkt seines bisherigen Lebenswerks. In der katholischen Kirche gilt er als Vermittler zwischen konservativen und reformerischen Strömungen.

epd-West igl



Übersicht

Presseerklärung 2002/2: Das Aktuelle Stichwort: Hans-Ehrenberg-Preis
Presseerklärung 2002/3: Die Preisträger



[Anfang der Seite] [Home] [Biographie] [Bibliographie] Preis [Lectures] [Bücher] [Kontakt] [Weblinks] [Sitemap] [Newsletter] [Gästebuch] Design by Andreas Losch